Aufräumen · Aufräumen im Kopf

Aber das ist doch noch gut! – Wie von Dingen trennen, die wunderbar in Ordnung sind?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf http://www.dieaufräumerin.at.

Im neuen Jahr haben Viele den Vorsatz: Mehr Ordnung. Im Leben, zu Hause und in der Arbeit. Man kann von Neujahrsvorsätzen halten,  was man mag, aber auch ich ertappe mich dabei, dass sich ein Gefühl von Neuanfang einstellt mit diesen ersten Tagen des neuen Jahres. Und so wie viele andere, denke ich darüber nach, mich gesünder zu ernähren, ganz sicher ganz bald viel mehr Bewegung zu machen und überhaupt rundum glücklicher zu leben. Dazu gehört für mich ein (meistens) aufgeräumtes zu Hause. Und damit eine Wohnung mit gut 70 Quadratmetern, in der man zu dritt wohnt und ich auch noch arbeite, meistens aufgeräumt sein kann, muss man sich von Sachen trennen.

Mein Prozess des Sich-von-Zeugs-trennen ist nun schon ein längerer. Ich habe mir schon sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie es gehen kann, warum ich manches nicht loslassen kann und und und. Ich bin schon einen weiten Weg gegangen. Ich habe meinen Kleiderkasten um zwei Drittel wenn nicht sogar drei Viertel geschrumpft und meine Stil gefunden, ich habe meine Kosmetikprodukte drastisch reduziert und das Gefühl, noch nie so zufrieden mit Beautyroutine gewesen zu sein. Das sind die Sonnenseiten.

Die Schattenseite sieht so aus: Ich stehe vor meinem Kleiderkasten/meinem Schreibtisch/meiner Küche mit dem festen Vorsatz, nochmal zu evaluieren, weil schon wieder laufend Unordnung herrscht. Plötzlich habe ich  etwas in der Hand, das nicht kaputt ist, es passt mir noch, es gefällt mir auch nach wie vor ABER ich habe es seit langer langer Zeit (mindestens ein Jahr) nicht mehr gebraucht und die Wahrscheinlichkeit, es jemals wieder zu brauchen, ist gleich Null.

Zwei Beispiele: Ich besitze eine wunderbare weiße Bluse. Seit vielen Jahren. Ich habe sie zur Arbeit angezogen und zu zahlreichen Familienfeiern und sie passt mir auch nach wie vor. Nicht mehr wie angegossen, aber sie passt mir. Der Punkt ist, sie passt nicht mehr zu meinem Alltag, sie passt nicht mehr zu meinem Stil. Aber sie weggeben …. Das andere Beispiel ist ein Notizbuch. Ich LIEBE Notizbücher. Ich LIEBE dieses Notizbuch. In der Theorie. Tatsache ist aber, es funktioniert nicht für mich. Es ist zu schwer, ich schaffe es nicht, die drei Abteilungen gleichermaßen vollzuschreiben, ich mag eigentlich keine linierten Notizbücher, wodurch ein Drittel des Buches verloren ist usw.

Das ist das Problem mit den Sachen, die noch wunderbar in Ordnung sind und die man vielleicht sogar einmal sehr gerne gehabt hat. Sie machen einem ein schlechtes Gewissen. Dann drehe ich mich im Kreis. Dann belastet es mich. Da kam mir der Artikel „A guide to let go of perfectly good things“ gerade recht. Zoë King schreibt: „Finding our lives under everything we own is more than clearing away just junk. Often it requires removing good quality things. Expensive things. Useful things. Admired things. Fancy things. It means letting go of perfectly good stuff in order to pursue something more meaningful.“

Hier also ihre sieben Schritte, die ich zum Teil selbst schon mache und an die ich nur erinnert werden musste. Außerdem ein paar neue Sichtweisen:

  1. Zu akzeptieren, dass es ein Fehler war, das Ding anzuschaffen bzw. zu akzeptieren, dass es nicht mehr in das eigene Leben passt.
  2. Den Blickwinkel verändern und die Freude über den frei werdenden Raum und die Erleichterung über das gelungene Loslassen in den Vordergrund stellen.
  3. Eine Outbox schaffen. Also einen fixen Platz, wo all die Dinge hinkommen, die das zu Hause verlassen sollen. Die Outbox regelmäßig entleeren.
  4. Raus und weg muss nicht notwendigerweise wegschmeißen heißen. Viele Dinge können gespendet werden oder Bekannte und Verwandte können mehr damit anfangen.
  5. Damit experimentieren, wo sich Prozesse und Routinen vereinfachen lassen und beim Neukauf immer darüber nachdenken, ob ich wirklich noch ein Duschgel, noch ein weißes T-Shirt noch ein Notizbuch brauche.
  6. Sich die Frage nach dem Warum stellen. Warum fällt es mir so schwer, mich von etwas zu trennen? Meine Beispiele: Ich liebe die Erinnerungen, die ich mit der Bluse verbinde oder die Idee hinter dem Notizbuch und vielleicht war es auch noch teuer.
  7. Sich bessere Fragen stellen:
    1. Erfüllt es seinen Zweck? Ist es mir dienlich?
    2. Könnte es jemandem anderen mehr helfen als mir? Hat jemand anderer mehr davon?
    3. Möchte ich, dass sich jemand anderer damit befassen muss, sollte ich es aus irgendeinem Grund nicht können? Was „vererbe“ ich da?
    4. Wie möchte ich mein Leben leben?

Die Frage danach, wie ich mein Leben leben möchte ist natürlich eine essenzielle. Aber sollten wir uns diese Frage nicht bei allem, was wir tun stellen? Eine ganz große Rolle spielt doch hier, wie ich mein zu Hause haben möchte. Ich frage mich dann gerne, wer wen besitzt. Mein Zeug mich oder ich mein Zeug. Mit Hinblick auf dieses größere Ziel fällt es dann ja vielleicht leichter, sich von etwas zu trennen, was ganz wunderbar in Ordnung ist.

Mit diesem fast philosophischen Ende und den ganz großen Fragen verabschiede ich mich.

Alles Liebe,
eure Aufräumerin

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